Sankt Jakob in Mitterteich
Landkreis Tirschenreuth (Nordbayern) Diözese Regensburg
Patrozinium: Apostel Jakobus der Ältere und Heilige Anna
Die heutige Kirche im Stil einer neuromanischen Basilika wurde im Jahr 1890 unter dem damaligen Pfarrer Alexander Mauerer erbaut. Der städtische Baumeister Hocheder aus München fertigte für den Neubau die Pläne, Kreisbauassessor Fritz Steinhäuser aus Regensburg hatte die technische Leitung, die Ausführung der Arbeiten übernahm die Baufirma Friedrich Dannhauser aus Nabburg.
Der Bau wurde 1890 soweit fertiggestellt, dass die Kirche benediziert und in ihr notdürftig Gottesdienste gehalten werden konnten.
Bischof Ignatius von Senestrey vollzog am 16. Juni 1893 die feierliche Konsekration.
Die Kirche ist 50,85 m lang und 21,50 m breit.
Der Kirchturm wurde 1606 erbaut und gehörte der Stadt. 1888 wurde er der Kirche geschenkt. Der Turm ist das älteste Bauwerk Mitterteichs. Beim Kirchenbau 1890 sollte der Turm eigentlich erhöht und dadurch dem neuen Stil der Kirche angepasst werden. Das Fundament des Turmes hätte jedoch das Gewicht nicht tragen können.
Drei Portale führen von Norden, Süden und Westen in die Vorhalle der Kirche.
Die Portale sind mit zweistufigen Gewänden versehen und ihre Tympana mit Reliefs geschmückt: Am Westportal (Bild links, am 27.08.2006 zur Orgelweihe), dem Hauptportal, der thronende Christus in der Mandorla von zwei Engeln flankiert. Darunter die Inschrift: Porta – patet – vitae – Christus – via – vera – venite (Christus die Pforte des Lebens steht offen. Der wahre Weg kommt.)
Am Südportal das Lamm Gottes und am Nordportal die Hand Gottes.
Erwähnenswert ist auch die Mariensäule: Mittelpunkt und vornehmste Zierde des Kirchplatzes. 1896 wurde sie von H. H. Geistlicher Rat Andreas Schiffmann gestiftet.
„Möge die hl. Jungfrau eine Schutzpatronin von Mitterteich sein und bleiben.” (nach Wunsch des Stifters)
Betritt man die Kirche durch eines der Portale, gelangt man zunächst in eine Vorhalle, über der sich eine Empore für Orgel und Sängerchor befindet. Das hohe Mittelschiff der querschifflosen Basilika mündet in einem mächtigen Triumphbogen in den über drei Stufen erhobenen Chor, der mit einer Rundapsis abschließt. Vom Triumphbogen herab hängt das große Kreuz des Herrn, flankiert von zwei Engeln, die auf die Zwickel des Bogens gemalt sind.
Die niedrigen Seitenschiffe schließen gerade ab. Sieben Rundbögen, die abwechselnd auf Säulen und Pfeilern ruhen, die Säulen mit Würfelkapitälen nach Hirsuaer Vorbild, die Pfeiler m it einfachen Gesimsen, tragen die Hochwände des Mittelschiffes.
Der Hochaltar wurde 1929 anstelle des recht unansehnlichen, im sogenannten Denglerstil ausgeführten Altares durch den damaligen Pfarrer Karl Hof angeschafft.
Bei der Renovierung 1977 wurde der Altar, der früher überwiegend in Silber gehalten war, dezent in Farben gefasst.
Der Volksaltar ist dem Stil der Kirche angepasst.
Das Apsisgewölbe zeit in Mosaikarbeit den thronenden Christus in der Mandorla, der auf Wolken des Himmels wiederkommt. In der linken Hand das geöffnete Buch mit A – O, die rechte Hand zum Segen erhoben. Er wird flankiert von zwei Engeln, die hier als Symbol für die Gottheit Christi zu werten sind, zumal sie auf Wolken stehen, die in der hl. Schrift die Gegenwart Gottes aussagen wollen. Beide tragen auf einer Scheibe das Christus-Monogramm. Der goldene Hintergrund unterstreicht die Jenseitigkeit der Gruppe. Die drei Glasfenster über dem Hochaltar zeigen in der Mitte den Hl Jakobus d. Ä, den Patron der Kirche, zu seiner Linken den hl. Johannes und zu seiner Rechten den hl. Andreas. Acht weitere Apostel sind in die Apsis- und in die rechte Chorwand gemalt. Es folgen von links nach rechts: Matthäus mit geöffnetem Buch und dem Anfang seines Evangeliums: „liber generationis Jesu Christi, filii David“, Bartholomäus, Simon, Philippus, Judas Thadäus, Jakobus d. J., Thomas und Matthias. Die Apostelfürsten Petrus und Paulus blicken als Plastiken links und rechts vom Triumphbogen in das Kirchenschiff hinein.
Durch je sieben Fenster in den Hochwänden des Mittelschiffes, vielleicht Sinnbild für die sieben Sakramente, und je sieben in den Seitenschiffen wird der Kirchenraum ausreichend erhellt. Die Fenster in den Seitenschiffen zeigen auf der Evangelienseite (Frauenseite) sechs heilige Frauen und einen Engel mit Leidenswerkzeugen. Von vorne nach rückwärts: Hl. Cäcilia (Patronin der Kirchenmusik) Theresia v.on Avila, Katharina, den Engel mit den Leidenswerkzeugen, die hl. Mutter Anna (die zweite Patronin der Kirche), die hl. Barbara, die hl. Dorothea. Auf der Epistelseite (Männerseite): Hl. Aloysius, Bonifatius, Martin von Tours, hl. Erzengel Michael, hl. Nikolaus, hl. Josef und hl. Franz von Asisi.
Auf dem Sängerchor wird der Westgibel durch zwei Drillingsfenster mit Überfangbögen durchbrochen, die dem Ort entsprechend, musizierende Engel zieren. An der Brüstung ist eine Büste Gottvaters angebracht. Nach dem Orgelneubau 2006 wurden an der Brüstung vier anbetende Engel angebracht, die wohl von den Vorgängeraltären stammen.
Die beiden Seitenaltäre wurden 1949 bzw. 1950 errichtet. Auch sie wurden bei der Renovierung 1977/78 zu ihrem Vorteil neu gestaltet. Der Nebenaltar auf der Evangelienseite ist der Muttergottes geweiht. Eine Marienfigur, von zwei Engeln flankiert, zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Darunter in einer Nische eine Verkündigungsszene. Der Nebenaltar auf der Epistelseite ist dem hl. Josef geweiht. Dementsprechend steht hier der hl. Josef, ebenfalls von zwei Engeln flankiert. In der Nische darunter, die hl. Familie. Sie sind nach langjähriger russischer Gefangenschaft das Erstlingswerk des Regensburger Bildhauers Jakob Helmer. Die Härte dieser Zeit spiegelt sich vor allem in den beiden Großfiguren wider.
Die 1890 erbaute Kirche wurde wiederholt, zuletzt unter den Stadtpfarrern Karl Hof un Josef Neidl, renoviert und ergänzt. Unter Stadtpfarrer BGR Siegfried Richter wurde sie in den Jahren 1977/78 einer umfangreichen Innenrenovierung, 1989/90 (zum Kirchenjubiläum 1990 – hierbei wurde auch der Ölberg wiedererrichtet) einer Innen- und Aussenrenovierung und 2003 einer gründlichen I nnenrenovierung unterzogen. Besonderen Verdienst erwarb sich hierbei Kirchenpfleger Rudolf Schiffmann durch unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz.
Der Raum bildet in Architektur, Ausstattung und Farbgebung eine Einheit, die Wärme und Geborgenheit ausstrahlt, welche gerade durch eine moderne Beleuchtungsanlage, die ebenfalls 2003 installiert wurde, noch unterstrichen wird.
(nach: Bischöflich Geistlicher Rat Johann Kunz)
Detaillierte Beschreibung: Kirchenführer der Stadtpfarrkirche St. Jakob, Mitterteich Schnell, Kunstführer Nr. 1147
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